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Rhetorischer Überlebenskampf
in Akt[en]

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life is a tale told by an idiot

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düster bist du schön

 Und sie ist immer noch so hungrig
warum ist die Welt so scheiß normal
sie würde nächtelang nicht rasten
sie würde verglühen
für einen Augenblick in echt
und sie wäscht längst nicht mehr in Unschuld
sie hat verraten und verkauft
und es ist immer noch so wenig
so zäh und so schwer
es ist häßlich und bitter wenn sie flucht
(Tex - Wenn sie lacht)

 

Momente, in denen man etwas versteht, sind manchmal wie Blitze, die in Bäume einschlagen. Zunächst Zerstörung, Feuer, Angst. Doch wartet man ein wenig, so wird man entdecken, dass dort Blumen wachsen. Pastellfarben, die Grau in Lebendigkeit verwandeln. Lebendigkeit, die atmet, die wächst, die blüht - die lebt.

 

Manchmal kann Angst einen Menschen fesseln. Manchmal kann Angst einen Menschen lähmen, ihm die Luft rauben, die Kehle zuschnüren und zerstören. Sie kann dunkel sein, dunkler als die schwärzeste Nacht und unverständlich und unmöglich wie ein perpetuum mobile. Angst kann irrationale Dystopien so real zum leben erwecken - egal wie unwahrscheinlich, urplötzlich ist die wildeste, finsterste Albtraum-Fantasie möglich. Greifbar. Hier. Jetzt, hinter dir. Sieh dich nur nicht um, spüre nur den Atem der Angst im Nacken, obgleich eine wundervolle Orchidee hinter die blüht - sie verwandelt sich in ein blutrünstiges Monster.

 

Angst kann vieles. Ich habe sie viele, viele Jahre nicht verstanden. War zu blind - zu stolz? - zu verstehen, dass sie der Motor meiner Dämonen ist, die Nahrung für meine Alträume.
Immer wieder und wieder und wieder und wieder wälze ich Gedanke, spiele Situationen in meinem Kopf durch, frage und hinterfrage jede Kleinigkeit. "Habe ich richtig gehandelt? Was genau habe ich gesagt - was dachte ich, wollte ich sagen? Und was hat mein Gegenüber verstanden? Was, wenn? Was wenn sie dachte, und er verstand, und es sah...? Wie kann ich nur, was soll ich, was darf ich, wohin...?"
Blicke mich um, Gedanken schwirren und drehen und tanzen betrunken in meinem Kopf; halten mich wach bei Nacht, jagen mich bei Tag. Nie Ruhe, nie Entspannung aus Angst, einen Fehler gemacht zu haben.

 

Dann laß ich, dass jemand sich dafür entschieden hatte, so wenig Leid wie nur möglich in die Welt zu bringen. Er könne, gewiss, die Welt dadurch nicht retten. Aber er würde s e i n en Teil dafür tun, dass sie ein klein wenig besser würde. Er würde kein Leid hinzufügen.

Und ich dachte: "Ja, das tue ich auch! Das möchte ich auch. Das ist mein erklärtes Ziel seit Jahren! Ich kann die Welt nicht retten, aber vielleicht ein bisschen, nur ein klitzekleines bisschen besser machen - meinen Teil dazu leisten, dass ein wenig mehr Liebe, ein wenig mehr Friede da ist."

Ich kam nicht umhin auf die Narben zu schauen, die meinen Körper überziehen. Wunden, die ich mir selbst beibrachte. Leid, das ich mir selbst zufügte. Fehler, die ich versuchte zu sühnen, indem ich blutete und litt.

Ich hatte Leid in die Welt gebracht - mir selbst Leid zugefügt, Schmerz und Tränen. Habe mich verstümmelt, Blut fließen sehen, war wütend und rachsüchtig - stets mir selbst gegenüber.
"Hey, immerhin keinem andere, gegenüber", dachte ich mir. "Immerhin hast du immer nur dich selbst gehasst, verachtet und verleugnet."
"Aber wenn du kein weiteres Leid in diese Welt bringen willst, in der Menschen weit schlimmer leiden als du, hungern, Angst haben vor Krieg und Terror, Verfolgung und Vergewaltigung - warum bringst du es dennoch? Und denkst auch noch, es sei gerechtfertigt? Wie passt das zusammen? Wo unterscheidest du dich von Anderen?", flüsterte eine sanfte Stimme in meinem Kopf. "Du darfst leben, du darfst lieben, du darfst leiden und trauern. Du darfst Entscheidungen treffen, darfst sie bereuen und auch zu ihnen stehen, selbst wenn Andere dich für sie verachten. Du bist nur eine von Vielen, eine von so vielen Menschen. Warum sollten Sie, denen du so viel Verständnis und Liebe entgegen bringst, auch wenn sie dich beschimpfen, andere Dinge verdienen oder zu erwarten haben als sie? Warum sollten sie sich nicht selbst zerstören, wenn sie einen Fehler machen? Warum solltest du nicht auch leben, lieben, trauern und atmen und träumen wie sie?"

Manchmal hasse ich meine innere Stimme der Vernunft, wenn sie mir die Wahrheit einflüstert... Dann wieder liebe ich sie. Dann möchte ich sie aus mir herausschneiden, schreien, dass ich es nicht wert bin im Gegensatz zu all den anderen Menschen. 

Nein, ich verstehe nicht, warum ich etwas wert sein sollte, warum ich liebenswert sein sollte, warum ich toll oder gar l e b e n s w e r t sein sollte. Ja, ich denke, ich sollte eigentlich tot sein. Ich bin dieser Überzeugung. Und Feigheit ist es, was mich am Leben hält - die Feigheit, diesen Schmerz anderen Menschen anzutun.  Ich verstehe Vieles nicht - aber eines habe ich verstanden: Es gibt eine radikale Diskrepanz zwischen dem, was ich Anderen mit Leichtigkeit zugestehen kann und dem, was ich mir selbst zugestehe.
Die Angst, die mich lähmt, ist die Angst, Fehler zu machen - das Unvermögen, zu meinen Entscheidungen zu stehen. Es beruht auf der Verachtung meiner Selbst. Vielleicht werde ich diese nie gänzlich los werden, vielleicht werde ich sie ewig mit mir herum schleppen. Aber eigentlich geht es hier nur um mein Rückgrat - das, wovon ich bisher immer dachte, dass ich es hätte, so lange es nur um Andere geht. Aber mir selbst gegenüber...?

 

Es geht nur  darum, dazu zu stehen, was man tut, wofür man sich entscheidet, was man sagt, liebt, erträumt und hasst. 

 

 Düster bist du schön.

14.1.16 21:14

bisher 6 Kommentar(e)     TrackBack-URL


OvO / Website (14.1.16 21:43)
Die Frage ist doch welchen Maßstab du anlegst um deinen Wert festzumachen. Vielleicht ist an dir garnichts falsch. Du misst blos mit falschen Maßstäben.


gnothi.seauton (26.1.16 08:23)
Vielen Dank für deinen Kommentar.

Gewiss, ich messe auch mit unterschiedlichen Maßstäben - Anderen kann ich leicht Fehler verzeihen, von mir erwarte ich Perfektion.


OvO / Website (26.1.16 11:53)
Auch Perfektion unterliegt letztlich den eigens angelegten Kriterien, die sich aber eben halt auch verändern lassen.

Ich behaupte, dass Perfektion immer da ist. Man muss nur lernen, den richtigen Blickwinkel zu finden, um sie immer dann zu erkennen, wenn man nach ihr sucht. Das erspart einem viel Arbeit und Zeit die man sinnvoller nutzen oder gestalten kann als sich in Selbstkritik zu zerfleischen.


gnothi (26.1.16 21:54)
*lach* es ist die eine Sache, ob man Dinge weiß - und eine gänzlich andere, was man fühlt. Ich habe gelesen, dass ich dir das vermutlich nicht sagen muss. Psychische Erkrankungen gehen ihren eigenen irrationalen Weg. Und obgleich ich sehr, sehr viel verstehe, entscheiden sich meine Gefühle immer wieder doch dafür einen anderen Weg zu gehen .

Du meinst es gur, dafür danke ich dir. Aber mit Logik bin ich bei meiner Erkrankung leider nicht immer weiter gekommen (sonst hätte ich schon die Weltherrschaft ).


OvO (16.2.16 22:32)
Logik... Logik ist das Einzige was mich aus meiner "Krankheit" herausgeführt hat. Das Problem liegt nur darin dass die eigene Empfindung oder die eigene Logik oft im Widerspruch steht, zu dem was man Normalität nennt. Und das versetzt einen gesunden Geist leicht in einen Zustand den die Normalität dann als krank bezeichnet. Dass du krank bist ist eigentlich ein gutes Zeichen. Denn es zeigt dir eigentlich nur, dass etwas in dieser Welt falsch läuft. Und dem sollte man nachgehen. Angefangen hat es bei mir übrigens damit dass ich mir meine Medikamente angeschaut habe um zu sehen um welchen Inhaltsstoff es eigentlich geht. Dann habe ich recherchiert wie man diesen Stoff natürlich fördern kann. Und so bin ich all meine Krankheiten nach und nach losgeworden und habe die Welt auf ganz neue Weise kennengelernt. Mit simpler Logik.

Und nein ich mein es nicht gut. Aber der Gedanke mit der Weltherrschaft ist garnicht so abwegig wenn man das ökologische System und ökonomische System erstmal verstanden hat, was wirklich einfach ist. Allerdings kommt man dann auch schnell zu dem Punkt dass Weltherrschaft genau dass ist was uns erst in diese Lage gebracht hat. Daher ist es vllt sinnvoller nach Selbstherrschaft statt nach Weltherrschaft zu streben. Denn wenn man sich selbst beherrscht braucht man die Welt nicht mehr.


OvO (16.2.16 22:50)
"Psychische Erkrankungen gehen ihren eigenen irrationalen Weg."

Nein. Sie demonstrieren einem nur eindrucksvoll, dass man sich auf einem falschen Weg befindet und das man mehr ist als ein rationales Wesen ist. Nämlich eben halt auch ein fühlendes geistiges Wesen. Und wenn man diese Seite nicht ausreichend beachtet, beginnen sie sich zu verselbstständigen. Was heutzutage ja auch häufig passiert da die Normalität versucht nur noch Rationalität überhaupt zuzulassen.

Und das passiert ganz besonders bei denen, die hochbegabt und hochpotent sind und dessen Geist nach so viel mehr verlangt als er durch die vorgegeben AltagsStrukturen bekommt. Und anhand deines Alters und deiner Ausdrucksweise würd ich meinen dass du zu diesen Menschen gehörst. Die Frage ist nur, wo man am Besten ansetzen kann um dich aus dem Loch des Stillstandes rauszuholen.

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