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Rhetorischer Überlebenskampf
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Reptil

"Du bist so kalt, wie ein..."

 

So dachte ich heute darüber nach. Bin ich kalt, wie ein Reptil? 

Seit Monaten gehe ich mit Bauchschmerzen zur Arbeit. Regelrechter Widerwille, Übelkeit, das Bedürfnis mich in Zwei zu reißen, mir ein Bein zu brechen, nur um nicht dorthin zu gehen. Und doch gehe ich, obgleich ich seit Monaten nicht mehr weiß, wann ich zuletzt erholsam durchgeschlafen habe. Ich gehe und liefere erstklassige Arbeit ab. Meine Dokumentation - einwandfrei. Meine Buchhaltung - fehlerlos. Mein Geschick in kritischen Situationen - kompetent und professionell. Meine Dienstplangestaltung für das Team - sauber und mehr als rechtzeitig fertig. Parallel mache ich eine Weiterbildung, für die ich - nebenbei - die Abschlussarbeit schrieb (ok, die Arbeit hat nur 24 Seiten betragen, viel war es nicht, aber hey - nebenbei geschrieben).

Es steht also eigentlich anhand objektiver Daten fest, dass ich einen verflucht guten Job mache. 

Und trotzdem fühle ich mich auf eine grauenvoll erdrückende Art und Weise inkompetent, ungenügend, eine Versagerin auf ganzer Linie.
Es passt nicht zusammen, ich weiß. Diesen Widerspruch erlebe ich seit vielen, vielen Jahren immer wieder: Sei es in der Schule, auf der Uni, im Job oder in der Weiterbildung. Verflucht, wenn ich das Ganze so schwarz auf weiß betrachte, sprechen die Tatsachen eindeutig f ü r meine Kompetenz. Trotzdem passt es nicht mit meinem inneren Erleben zusammen. Und das ist ne ganz schön große Scheiße.

Ich hab - ohje, ich schreibe es auf - mein Diplom mit Aufzeichnung gemacht. Das macht man nicht mit Glück, oder Mogeln - eigentlich. Trotzdem habe ich in Phasen, in denen es mir besonders beschissen geht, immer wieder die (für mich absolut reale) Angst, dass die Polizei jeden Moment klingeln und mich verhaften könnte, weil ich mein Diplom eigentlich verdient habe. Ich habe Angst, dass Menschen mir auf die Schliche kommen, dass ich eigentlich n i c h t s kann und sie sich nur von mir haben blenden lassen. 

Wieder ein Blick über die Schulter. Achte auf das Tuscheln. Haben sie dich entlarvt, enttarnt? Ist endlich jemand dahinter gekommen, dass du nur eine Hochstaplerin bist? Wann ist es so weit, wann stehen sie vor dir, entreißen dir all die Blätter, auf denen deine vermeindliche Genialität festgehalteen wurde? 

Wann ist es nur endlich so weit, dass das innere und das äußere Erleben endlich zusammen passen? Wann muss ich nicht mehr in Panik über die Schulter blicken, dass ich endlich verbal und sozial gesteinigt und verstoßen werde? 

 

Betrachte die sterilen Blätter. Die starre Schrift. Leblos. Sie dokumentieren angebliche Tatsachen. Doch für mich sind sie leblos - kalt. 

Und in mir brennt es.

13.1.16 16:14

bisher 2 Kommentar(e)     TrackBack-URL


OvO (14.1.16 21:38)
Es ist soweit wenn du beginnst loszulassen...


gnothi.seauton (26.1.16 08:30)
Ah, aber dann müsste ich ja auch akzeptieren, Fehler zu machen. Wir wollen mal nicht übermütig werden (auch wenn ein Teil von mir zustimmt) :D.

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