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Rhetorischer Überlebenskampf
in Akt[en]

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life is a tale told by an idiot

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don't drink the water

"Einsamkeit bedeutet, in das Zimmer eingesperrt zu sein, das 'man selbst' heißt, das verstehe ich zum ersten Mal in meinem Leben. Dass man selbst ein Raum im Gefängnis ist und sich dieser Raum immer von anderen Räumen unterscheiden wird, und deshalb wird er immer auf bestimmte Weise allein und immer innerhalb des Gebäudes sein, weil er ein Teil davon ist."
[Peter Hoeg, Die Kinder der Elefantenhüterin]

 

Mein Partner fragte vor einiger Zeit, warum ich meine Geschichte nicht nieder schreibe. "Ich meine, wenn jemand lesen würde, dass es möglich ist, trotz allem normal zu leben, wäre das nicht für Andere vielleicht eine Ermunterung? Ein Hoffnungsschimmer, den du geben könntest?"

Ich hab seit diesem Moment auf dem Balkon, zwei Weingläser auf dem Tisch, Zigarettenrauch, immer mal wieder darüber nachgedacht. Ja, warum eigentlich nicht aufschreiben? Ich wäre nicht die Erste - und gewiss auch nicht die Letzte - die autobiographisch ihre Erlebnisse festhält und teilt.

Und dann denke ich mir wieder: Wer würde das lesen wollen? Was ist so besonders an mir, was habe ich so Besonderes schon getan? Nichts, was nicht Du auch könntest.
Obendrein gibt es ja nicht nur den einen Weg - es gibt so viele Wege, wie es Leben gibt. Dein Weg ist ein anderer als meiner, und keiner ist besser oder schlechter - nur anders.

Also - was hätte ich denn zu sagen? Und wer würde sich dafür schon interessieren? Der eigene Weg ist stets der Wichtigste, und während wir auf ihm gehen, vergessen wir nur allzu oft, dass links und rechts von uns andere Wege sind (außer natürlich, zwei Wege überschneiden sich und es kommt zu diesen erinnerungswürdigen, seltenen, manchmal heiteren, manchmal schmerzhaften Zusammenstößen). Wir vergessen, dass jeder Mensch seine eigene Geschichte, seine Gedanken, seine Emotionen, seine Erklärunngs- und Empfindungsmuster hat - alle individuell, manchmal ähnlicher, manchmal unterschiedlicher von den unseren. Wir vergessen, dass wir - wenn wir mit einem anderen Menschen in Kontakt treten - eine andere Welt voll eigener Erinnerungen berühren. So kostbar, manchmal zerbrechlich. Und dennoch sehen wir in aller Regel nur unsere Welt, unseren Weg und verstehen nicht, warum der Andere sich nicht dazu überwinden kann, die Richtigkeit unseres Seins anzuerkennen und zu verstehen.

...und nun sitze ich hier, weiß nicht recht, wie ich mein Gefühl in Worte fassen soll. Wie soll meine Welt, mein Weg, meine Erinnerungen und meine Gefühle, meine Gedanken- und Erklärungskonstrukte, Überzeugungen und Irrungen wichtiger, bedeutender, interessanter sein als die eines Anderen? Sie sind es nicht. 

Warum also niederschreiben?
Vielleicht, um mich meiner Selbst bewusst zu werden? Ich vergesse hin und wieder gerne Teile meines Weges. Ich vergesse, dass ich vor 10 Jahren an einem ganz anderen Punkt stand. Ich vergesse, wer ich war, wie ich damals die Wirklichkeit gesehen habe. Auf der einen Seite ist es natürlich - auf der anderen Seite empfinde ich es beinahe als schade. Vielleicht auch fatal. Dieser Weg war es schließlich, der mich heute hier her gebracht hat. Und in Anbetracht der Tatsache, dass ich immernoch sehr gerne irrationalem Bullshit hinterher hänge, sollte ich ihn nie als "rational" in Betracht ziehen, sondern mich immer vergewissern, dass es nunmal in mir noch Monster gibt - auch wenn sie nun pflegeleichter sind. Es sind und bleiben irrationale Monster. Und meine größte  Angst ist, dass sie irgendwann durchbrechen und ich sie dann nicht mehr als das sehe, was sie sind, weil ich ihren Ursprung vergessen habe.

Dies scheint mir ein ausreichender Grund zu sein, Dinge aufzuschreiben. 

Und zugleich doch die Frage, was macht mich zu etwas so Besonderem, dass ein Anderer es lesen wollen würde?

Darauf fehlt mir eine Antwort... was mich jetzt gerade nicht daran hindert, es dennoch zu tun. Vielleicht finde ich sie ja irgendwann.

 

25.10.15 13:04

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OvO / Website (25.10.15 12:16)
Beim Schreiben... sollte es einem weniger darum, das Andere es lesen können als viel mehr darum dass man es selbst lesen kann. Die eigene Geschichte auch mal von außen betrachten, statt nur von Innen. In die Vogelperspektive zu gehen um tiefer blicken zu können.

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