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Rhetorischer Überlebenskampf
in Akt[en]

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Meta


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life is a tale told by an idiot

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drink the water

Mein Göttergatte hatte heute Einiges auszuhalten. Ich kam von der zweiten probatorischen Sitzung, den Tränen nahe. Ich wollte einfach nicht reden; eigentlich wollte ich allein sein. Er gab mir meinen Freiraum, zwang mir kein Gespräch auf, versuchte nicht nachzuhaken. Ich bin ihm dankbar dafür; zugleich kann cih mir aber auch vorstellen, dass das für ihn nicht einfach ist. Ich setzte mich irgendwann ans E-Piano, setzte meine Kopfhörer auf und hämmerte im wahrsten Sinne des Wortes auf die Tasten ein. Irgendwann stellte ich fest, dass ich weinte. Aber nach 20 Minuten war es wieder ok, ging es besser, war der Knoten um die Brust ein wenig gelöst.

 

Dabei war das Gespräch an und für sich nicht schlimm oder negativ.

Er meinte, es sei heilbar - das Chaos in meinem Kopf. Es klingt zu schön um wahr zu sein.

Er meinte, es bräuchte zwei Termine die Woche - wie soll ich das mit meiner Arbeit vereinbaren? Dass das schwierig wird, ist keine zweifelhafte Frage, sondern eine absehbare Tatsache.

Damit bleibt fraglich, wie ich das auf die Reihe kriegen, organisieren soll. Ich b r a u c h e Hilfe, daran besteht für mich aktuell kein Zweifel. Es geht mir beschissen, ehrlich. Ich schreibe es hier endlich mal aus: E S G E H T M I R B E S C H I S S E N !
So. Ich hab es geschrieben. Da ist es raus, schwarz auf weiß auf den Bildschirm gekotzt. Danke, Danke...
zurück zur Sitzung. Es war OK. Ich merke, dass er gut ist, dass das passt und dass ich eigentlich das brauche. In kürzester Zeit hat er es durch Fragen geschafft, dass etwas in mir gearbeitet hat, dass ich (surprise, surprise) die unangefochtene Prinzessin im Derealisieren und Depersonalisieren war. Ich erzählte ihm von meinem Zerrissen-Sein, dass ich das Gefühl habe, mehrere "Ich" zu haben (nicht im Sinne einer Multiplen Persönlichkeit, sondern im Sinne eine strukturellen Dissoziation / Persönlichkeit). Er konnte schnell etwas mit dem Thema anfangen und fragte nur: "Und wo ist die Gnothi.Seauton? Nicht die Tochter, nicht die Arbeitnehmerin, nicht die Schwester, nicht die Freundin, sondern einfach die Gnothi.Seauton?"
- "Die gibt es nicht."
- "Das glaube ich nicht, denken Sie mal nach. Wo würde ich die antreffen?"

Die Antwort war eigentlcih einfach:  Man würde M i c h dort antreffen, wo niemand anders ist, für den ich jemand sein müsste. Sprich: Ich bräuchte eigentlich eine abgeschottete Gummizelle für mich allein, wo nieman rein kann, und wo nichts nach Draußen dringt. Dort könnte i c h sein, ungeschminkt, ganz einfach, entspannt. Weil ich dort für niemanden etwas erfüllen müsste.

So kamen wir - Schritt für Schritt - vom Großen ins Kleine und ich merke, wie er wunde Punkte traf und die Traumwelt, das Gefühl zu Träumen, stetig zunahm. Für mich ein klares Zeichen dafür, dass da eine Fährte ist, die es zu verfolgen lohnen wrürde.  Warum denke ich, dass ich nicht ich sein kann, wenn Andere Menschen um mich herum sind? Wie komme ich auf die Idee, immer automatisch in Rollen schlüpfen und deren Bedürfnisse erfüllen muss? Total dämlich; dennoch ein Mechanismus, den ich einfach nicht aushebeln kann, und der mich eigentlich am Ende eines Tage am meisten Kraft kostet.

 

Aber dann frage ich mich: Was, wenn ich mir all den Irrsinn im Kopf nicht doch nur einbilde? Was, wenn ich eigentlich OK bin, vollkommen normal, und ich denke mir alles nur aus? 

Ich weiß, was ich einer anderen Person darauf antworten würde: Was sagt dir dein Bauch, dein Gefühl? Darauf kannst du dich verlassen, nimm es wahr und "hör" schlicht deinem Bauch zu, was er sagt.

 

Was sagt er mir?
- Kündige, lass es einfach, gib auf.
- Stell dich nicht so an.
- Er lacht mich aus.
- Er brüllt mich an, endlich für mich zu sorgen.

Allem voran aber ist er schlicht... müde. I c h bin müde. Erschöpft.  Geschlaucht. Mir wird alles zunehmend egal. "Ist doch egal, ist doch egal." Und ich weiß, dass es diese Einstellung ist, mit der ich mir unter Umständen wichtige Wege verbauen könnte, für die ich gerade j e t z t etwas tun müsste. Aber ich weiß nicht, wie ich das noch schaffen soll... Ich weiß nicht, wie ich auf den Beinen bleiben soll.

Was im Moment konkret los ist, mich so sehr überfordert (abgesehen vom Chaos im Kopf)?

Da wäre zum Einen die Sache mit meiner Wohnung. Die Vermieter wollen sie verkaufen. Angeblich kann ich drin bleiben - aber das weiß man bei einem neuen Vermieter letztlich wohl nie. Es ist ein unsicherer Faktor. Ganz abgesehen davon, habe ich wirklich keine Lust, nun regelmäßig nett lächelnd Fremde durch meinen Rückzugsort zu führen.  Aber was interessiert das schon die aktuellen Vermieter...? Sie haben ihre eigenen Prioritäten, Wünsche. Weshalb sollten sie da auf mich Rücksicht nehmen?
Gute Miene zum bösen Spiel.

Des Anderen gibt es meine Weiterbildung, für die ich dringend, dringend, mein Gott d r i n g e n d etwas tun sollte. Aber ich kann mich einfach nicht dazu aufraffen. Jeder Schritt, jeder Federstrich, jeder Gedanke an sie schlaucht und erschöpft mich. Sie abbrechen? Hab ich mir auch schon überlegt. Allerdings hätte ich dann viel zu große Angst vor den Reaktionen meiner Umwelt. Das Mädchen scheitert, macht etwas nicht mit Bravour fertig? Undenkbar, HA, stell dich nicht so an! Andere kriegen das doch auch hin, also reiß dich zusammen.

Natürlich der Dauerbrenner "aktueller Job". Zwischen Himmel und Hölle bewegt man sich da. Mal ist er großartig, mal kann man sich die Zähne dran ausbeißen und geradewegs zielsicher auf einen Burnout zusteuern. Und selbstverständlich finde ich keine Jobangebote, mit denen ich mich stattdessen anfreunden könnte. 

Abgesehen davon verändert sich nun auch der Knoten in meiner Brust. Vor Jahren wurde festgestellt, dass er gutartig ist, alles easy, alles in Ordnung. Nun darf ich doch mal wieder - mit meinen noch nichtmal 30 Jahren - zur Mammographie, nur um abermals zu hören, dass es natürlich kein Krebs, sondern alles gut ist. Und obwohl ich diese Sicherheit im Hinterkopf habe, nagt es eben doch in meinem Kopf. Aber hey, sollte er sich nun doch entwickelt habe und bösartig sein, hätte ich wenigstens einen Grund, Probleme No1 und No2 einfach über Bord zu werfen. Uh, das war Galgenhumor der untersten Schiene. Ich bitte um Verzeihung.  

 

Ich stelle fest - es gibt Themen, auf die habe ich Einfluss. Und Themen, bei denen ich einfach nur warten und Tee trinken kann. Trotzdem lasse ich aktuell zu, dass sogar die kleinste Kleinigkeit schlaucht. Dumm, nicht? Vielleicht ist das ja der eingebildete Part der ganzen Geschichte: Dass es zwar aktuell Problemfelder gibt, aber dass ich sie größer mache, als sie eigentlich sind. 

10.6.15 23:20

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