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Rhetorischer Überlebenskampf
in Akt[en]

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Meta


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life is a tale told by an idiot

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traumgebunden

Ich erinnere mich, dass du da warst. Das Licht in meiner Wohnung ging nicht immer. Der Strom setzte hin und wieder aus, sodass die Lichter kaum oder auch gar nicht angingen - wie es ihnen beliebte. Du hast versucht mir zu helfen, einen Elektriker zu finden, aber wir waren erfolglos. Weite Teile des Traums blieb es dunkel, im Zwielicht, undurchsichtig.

Ein Cut, ein Sprung. Familie. Eine Feier. Es war mir unangenehm, wollte es beenden, mich rausziehen. Da sprang mein Bruder auf und sagte: "Das alles haben wir dir zu verdanken, und nun nimmst du den Dank nichtmal an." Und er lachte und nahm mich in den Arm. Ich war verwirrt - was sollte meine Familie schon mir verdanken? Was war da los - was hatte ich verpasst?

Ein weiterer Sprung, diffuses Zwischenspiel.

Ich fahre auf der Autobahn. Die linke Spur ist blockiert. Mehrere Autos sind aufeinander drauf gefahren, stehen in einer Reihe, Notarztwagen. Es geht nur schleichend im Schritttempo voran. Ich versuche, nicht zum Unfall hinüber zu schauen - empfinde solch ein Verhalten als respektlos, das Unglück eines Anderen angaffen. Dann kommt der Verkehr ganz zum Stillstand und ich bemerke, dass gleich neben mir auf der linken Spur ein Mann verarztet wird, dessen Augen... nicht mehr vorhanden sind. Schwarze, leere Augenhöhlen. Ich schaue weg, kneife meine Augen zusammen. Stillstand. Ich registriere, dass plötzlich kein Notarzt mehr da ist. Der verletzte Mann versucht, sich ein Auge zurück in die Augenhöhle zu schieben. Kneife meine Augen noch mehr zusammen, halte mir die Ohren zu, um sein unverständliches, irrer Gebrabbel nicht mehr zu hören. Aber aus irgend einem Grund sehe und höre ich ihn trotzdem. Ich habe Angst, Angst vor ihm. Er scheint unzurechnungsfähig - wo ist denn der verfluchte Notarzt hin, der Mann verletzte sich doch noch weiter!
Dann, plötzlich, macht es <<batsch>>, das Auge ist explodiert und ich bin verschmiert mit Blut, von oben bis unten. Ich schreie.
Und bin im Krankenhaus. Mache mich sauber. Helfe endlich selbst mit, die Verwundeten zu versorgen. Da fällt mir auf, dass ich plötzlich mehr sehen kann. Sehe, wo genau der Zehenknochen eines Patienten gebrochen ist und kann ihn "perfekt" verarzten.
Schließlich ist die Arbeit getan und ich gehe zu den Notärzten. "Ich könnte niemals euren Job machen, ich habe Hochachtung für euch. Es ist irre, was ihr leistet, unter was für einem Druck, in was für einer Hektik."
Sie lächeln und bedanken sich. Dann kommt mir in den Sinn, dass es vielleicht sinnvoll sein könnte ihnen zu erzählen, dass ich "nach dem geplatzten Auge" plötzlich Verletzungen sehen kann. Ich setze gerade zu der Erklärung da, da kommt der augenlose Mann um die Ecke gewackelt. Er ist verrückt, nicht bei Verstanden, in einer vollkommen anderen Welt mit einer vollkommen anderen Logik. Und er lacht, zieht Säure und ätzenden Sprühschaum aus seinen Taschen überschüttet mein Gesicht damit, meine Augen.
Ich kneife sie abermals zu - sehe abermals trotzdem alles. Sehe, wie das Gift meinen Sehnerv attackiert und beschädigt, kämpfe dagegen an, kneife die Augen noch mehr zu, werde wütend und beschließe, dass ich mein Augenlicht nicht verlieren werde. Da lacht einer der beiden Notärzte, tätschelt mir väterlich die Schulter und sagt: "Das kannst du vergessen, gegen dieses Gift hast du keine Chance."

Ich wachte schlagartig auf, zitternd. Ich fühlte mich... ohnmächtig, ausgeliefert, wütend, ängstlich, ich hab keine Ahnung. Mir fehlen die Worte für dieses unaushaltbare Gefühl. Machte das Licht an - hatte Angst, eine Höllenangst, obwohl ich wusste, dass ich nur einen saudummen Alptraum hatte. Ich stand auf, zog mir einen Pulli über und entschied mich für eine Zigarette zur Beruhigung. Auf dem Balkon eisige Windböen, für die ich in diesem Moment dankbar war. Kälte wie Nadelstiche - zurück in die Realität, ganz aufwachen, auf den Boden kommen. Ich zündete die Zigarette in einem ruhigen Moment an, nahm einen tiefen Zug, blickte vom Balkon - und sah eine Gestalt von unten zu mir herauf schauen. Als hätte jemand darauf gewartet, dass ich aufwache und auf den Balkon gehe. Es war 3 Uhr morgens, und da unten stand jemand in dieser scheiß Kälte und bei diesem Wind und starrte regungslos zu mir hoch.
Dem 2. Stock dankend, stellte ich mich so hin, dass weder er mich, noch ich ihn sehen konnte. Hin und wieder lugte ich aus den Augenwinkeln hinunter - 3. Zug, 4. Zug - und sah ihn immernoch regungslos da stehen. Wegdrehen, verstecken. 5. Zug, 6. Zug. Das bildest du dir doch nur ein. Wer soll um 3 Uhr nachts bei dem Wind und der Kälte auf der Straße rumstehen? So ein Unfug. 7. Zug, 8. Zug. Ich wollte hysterisch weinen, kein Ankommen in der Realität. es fühlte sich an, als würde der Alptraum weiter gehen. 9. Zug, 10. Zug. Easy. Schalt deinen Verstand ein.
"Aber er steht da immernoch und schaut immernoch hier hoch!"
"Ach was, die Dunkelheit spielt deinen Augen einen Streich, da steht niemand!"
11. Zug, 12. Zug. Wo ist mein Mut? Tief durchatmen. Kopf hoch. Nach unten schauen. Auf die Person. Ganz genau. Es macht keinen Sinn, dass da jemand steht. ...Und natürlich stand da niemand, das diffuse Licht hat mir nur gezeigt, was ich erwartet hatte zu sehen.
Idiotin...
13. Zug, 14. Zug. Zigarette aus. Fertig. Du wirst doch wahnsinnig. Geh wieder ins Bett, das war nur ein absolut dämlicher Alptraum und du bist kein kleines Kind mehr, das in jedem Schatten ein Monster sieht. Reiß dich zusammen....

Ich riss mich zusammen, ignorierte die Monster, die ich sah, und krabbelte wieder in mein Bett. Alles fühlte sich unwirklich und verdreht an. Ich wusste, wo und was ich arbeite, mit wem ich befreundet bin, wer mein Partner ist - rational wusste ich es, und zugleich wusste ich, dass ich all diese Personen noch nie in meinem Leben getroffen hatte. Ich fühlte mich vollkommen allein und verloren, als wäre ich in das Leben einer anderen gerutscht. Ohne Zusammenhang, ohne Halt, ohne Orientierung. Was  tat ich überhaupt in diesem fremden Bett, in dieser fremden Wohnung mit all den fremden Dingen? Und vor allem: In diesem Körper, der viel zu groß für mich war...?
Ich kniff die Augen zusammen, um nichts mehr sehen zu müssen und harrte einfach aus, bis ich - irgendwann - endlich wieder einschlief.

12.12.14 11:58

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